„Türschloss mit Sicherheitskette“
04. September 2026
Doppelte Absicherung dank Kombination aus Hochleistungsoptik und gepulstem Röntgen. Deutlich mehr Erkennungssicherheit und Urteilskraft mittels Deep-Learning-KI. Gesteigerte Linieneffizienz durch stabilere Prozesse: Den Stand der Technik bei der Inline-Qualitätssicherung im Abfüllprozess von Bier und anderen Getränken erläutern Kristina Moers, Sjoerd Van Laar und Rudolf Hilt, die bei HEUFT die Produkte zur Leerflascheninspektion, Vollgutinspektion und Fremdkörpererkennung managen, im Interview.
Sjoerd Van Laar, Rudolf Hilt und Kristina Moers (v.l.n.r.) vom HEUFT-Produktmanagement.
Wie relevant ist geeignetes Inspektionsequipment im Abfüllprozess?
Sjoerd Van Laar: „Inspektionssysteme haben für Brauereien eine zentrale Bedeutung, weil sie sicherstellen, dass ausschließlich einwandfreie Produkte in den Markt gelangen. Sie erkennen Fremdkörper, Glasdefekte sowie Füll‑ und Verschlussfehler und reduzieren damit das Risiko von Rückrufen und rechtlichen Folgen. Gleichzeitig stabilisieren moderne Inline‑Inspektionen den Abfüllprozess: Echtzeit‑Ergebnisse ermöglichen nicht nur das sofortige Ausschleusen fehlerhafter Produkte. Zugleich werden Daten generiert, die sich in Echtzeit übertragen und statistisch auswerten lassen. So wird zum Beispiel ein Füller-Verschließermanagement zur präventiven Wartung von Füllventilen und Verschließerköpfen möglich, was Ausschuss und Stillstände verringert und die Anlagenverfügbarkeit erhöht. Darüber hinaus erfüllen Inspektionssysteme eine strategische Funktion. Viele Handelspartner und Exportmärkte verlangen klare Qualitätsnachweise – eine zuverlässige Inspektion wird damit zum Türöffner für neue Absatzkanäle. Konstante Qualität stärkt zudem das Vertrauen der Konsumenten und schützt die Marke vor Imageschäden. Die bei der Inline-Inspektion entstehenden Bild‑ und Prozessdaten bilden die Grundlage für moderne Analysen und KI‑Modelle, die langfristig zu noch präziserer Fehlererkennung führen.“
Rudolf Hilt: „Ein Braumeister hat es einmal sehr treffend formuliert: ‚Seitdem ich den HEUFT-Inspektor habe, kann ich nachts gut schlafen.‘ Genau das beschreibt die Bedeutung dieser Systeme: Sie schaffen Sicherheit – für Produzenten, Handel und Verbraucher – und sind damit eine echte Investition in Qualität, Effizienz und Zukunftsfähigkeit.“
Ruhiger Schlaf – welche Erkennungstechnologien tragen besonders dazu bei?
Kristina Moers: „Auch wenn kamerabasierte Systeme und Sensoren nach wie vor den größten Anteil ausmachen, beobachten wir einen klaren Trend hin zur Röntgeninspektion. Kameras und Sensoren sind die erste Wahl zur Erkennung von Oberflächenfehlern, Geometrieabweichungen oder Verschmutzungen. Ihre Grenzen zeigen sich jedoch dort, wo Flüssigkeitsreste im Leergut optische Merkmale überdecken oder keine sichtbare Anomalie vorhanden ist – selbst KI kann aus einem Bild nichts herauslesen, was physikalisch nicht sichtbar ist. Will man beispielsweise Glas-, Metall- oder Steinpartikel im Leergut oder im abgefüllten Produkt zuverlässig erkennen, führt an der Röntgentechnologie kein Weg vorbei.“
Kann gepulstes Röntgen von HEUFT eine kamerabasierte Inspektion denn komplett ersetzen?
Kristina Moers: „Optische Inspektionssysteme bieten gegenüber klassischer, nicht gepulster Röntgentechnik zahlreiche Vorteile: hohe Effizienz, präzise Bildqualität und sehr schnelle Verarbeitung an der Linie. Mit unserer gepulsten Röntgentechnologie lassen sich viele dieser Stärken nun auch auf die Röntgeninspektion übertragen. Die kurzen Impulse reduzieren den Aufwand beim Strahlenschutz, ermöglichen extrem kurze ‚Belichtungszeiten‘ und sorgen selbst bei hohen und variablen Geschwindigkeiten für eine konstant hohe Bildqualität.
Rudolf Hilt: „Damit wird die gepulste Röntgeninspektion zu einer idealen Ergänzung der optischen Kontrolle – insbesondere bei kritischen Fehlern wie Glas‑in‑Glas. Man könnte sagen: Die optische Kontrolle ist das Türschloss, das zuverlässig schließt. Die gepulste Röntgentechnik ist die Sicherheitskette, die zusätzlich schützt, wenn besondere Risiken bestehen.“
Es geht also um Redundanz, um einen zusätzlichen Schutz von Konsumenten und Marke. Gibt es noch weitere Vorteile und wie hoch ist eigentlich die Nachfrage nach röntgenunterstützen Systemen zur Leer- und Vollgutinspektion?
Rudolf Hilt: Besonders interessant ist der internationale Vergleich: In vielen ausländischen Märkten ist der Einsatz von Röntgeninspektionssystemen bereits deutlich stärker verbreitet als hier bei uns in Deutschland. Wer heute in moderne Inspektionstechnologien investiert, schafft damit nicht nur zusätzliche Produktsicherheit, sondern positioniert sich also auch für zukünftige Qualitätsanforderungen und internationale Wettbewerbsstandards.“
Das gilt sicher auch für die Verarbeitung der Erkennungsbilder. Was gibt’s Neues in diesem Bereich?
Sjoerd Van Laar: Neben hochentwickelter Kameratechnologie und gepulster Röntgeninspektion setzen wir zunehmend auch Deep-Learning-KI ein. Diese ermöglicht es, Fertigungstoleranzen, natürliche Prozessschwankungen und die große Variabilität unterschiedlicher Flaschenpools deutlich robuster zu beherrschen, ohne die Inspektionssicherheit zu beeinträchtigen. Ansonsten entwickelt sich die Bildverarbeitung derzeit in mehrere Richtungen: schnellere Auswerteprozesse, höhere Bildqualität, einfache Bedienbarkeit und deutlich verkürzte Inbetriebnahmezeiten. Zugleich steigen die Anforderungen – nicht zuletzt durch den Beyond‑Beer-Gedanken, der zu immer vielfältigeren Produktportfolios führt: neue Flaschenformen, komplexe Embossings, innovative Verpackungen und angrenzende Märkte jenseits der klassischen Brauerei. Dabei wird häufig unterschätzt, wie zentral die Weiterentwicklung der Hardware bleibt: Eine präzise Bildaufnahme bildet die Grundlage für zuverlässige Erkennungen und bestimmt maßgeblich die Leistungsfähigkeit moderner Inspektionssysteme. Um unsere technologische Basis selbst gestalten zu können, treiben wir die Entwicklung eigener hochmoderner Kamerasysteme voran. Anspruch ist es, uns in einem dynamischen Marktumfeld unabhängig von einzelnen Zulieferern zu machen und die Innovation aktiv zu beeinflussen.